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Montag, 25. Juli 2016

Nach den mittleren 3 Monaten – die letzten 3 Monate der Schwangerschaft

Nun wird es langsam „eng“ – ich berichte von den letzten Monaten meiner Schwangerschaft!
Im Februar war mein Geburtstag – wieder ein besonderer Tag ohne Alkohol… Inzwischen hatte ich mich daran gewöhnt. Aber schön is anders… Ich habe mit „meinem“ Barkeeper aber schon einen Wiedereinstiegsplan verabredet...

Wir wollten nochmal raus und hatten uns für eine Wellness-Woche entschieden. Eigentlich wäre ein „macht den Kopf frei“-Wanderurlaub schön gewesen, aber so fit war ich nicht mehr. Ich hatte in Venedig gemerkt, dass meine Füße nicht mehr weit kommen ohne weh zu tun. Mist… Sauna, Schwimmen, Essen – mehr nicht. Super!

Dann begann auch unser Geburtsvorbereitungskurs – richtig gelesen: unser! Der Held hatte ihn rausgesucht und sich für einen Paarkurs entschieden. ALLE Termine waren für beide Elternteile, nicht nur ein Abend mit dem Papa. Es war ein schöner Termin jede Woche – auch weil wir endlich mal andere Paare kennenlernen konnten und sehen, wie sie mit Schwangerschaft und kommender Elternschaft umgehen. Es war einfach eine schöne Sache, gemeinsam einmal die Woche nur über Schwangerschaft/Geburt/Babys zu reden. Und für den Helden war es wunderbar, sich auch in Ruhe damit beschäftigen zu können – er hatte ja keinen Mutterschutz sondern arbeitete durch.

Ich ging auch zum Schwangerschafts-Yoga. Das war zwar etwas speziell (anders als alles Yoga, was ich vorher gemacht habe), aber dort traf ich Frauen, mit denen ich noch heute guten und regelmäßigen Kontakt habe – ihre Kinder sind ähnlich alt wie meines. Der Austausch ist viel wert für mich.

Meine Beschwerden gegen Ende der Schwangerschaft:
  • Wasser in den Händen (Beine gingen komischerweise)
  • Sodbrennen
  • Hüft-Aua vom Schlafen auf der linken Seite
  • generell schlechter Schlaf
  • manchmal schmerzhafte Kindsbewegungen
  • und gegen Ende: fettige Haare – bäh!
Außerdem fiel mir auf, dass auf meinem Bauch mehr Haare waren, als vor der Schwangerschaft – wer braucht denn sowas?


Dann war da noch meine Elternzeitvertretung auf Arbeit zu planen. Da ich selbst ein Team leite, konnte ich nicht einfach das übliche „irgendwer wird mich schon ersetzen“-Spiel spielen. Für eine schwangere Arbeitnehmerin findet meist der direkte Vorgesetze Ersatz. In meinem Fall wollte ich die Teamleitung und meine Arbeitsinhalte selbst übergeben, rechtzeitig und mit Einarbeitungszeit und es sollte für die ganze Abteilung passen. Puh. Nicht einfach! Und während der normalen Arbeit plus den Schwangerschaftsgedanken auch nicht leicht. Wir haben dann aber alle zusammen eine tolle Lösung gefunden und ich konnte meine disziplinarischen Aufgaben an einen Kollegen abgeben während mein Team für meine Abwesenheit eine Vollzeit-Verstärkung erhalten hat, die ich auch noch einarbeiten konnte! Jackpot! So konnte ich erleichtert in Mutterschutz gehen.


Was ich beim letzten Mal nicht mit beschrieben habe, war das Feindiagnostik-Screening um die 21. Schwangerschaftswoche herum. Wir hatten uns ja entschieden, keine weitere (frühere) Diagnostik durchführen zu lassen. Aber diesen – auch Organ-Screening genannten – Scan des Babys. Viele Paare sehen diesem Termin freudig entgegen und bezeichnen es als Baby-TV gucken. Für uns war es vor allem ein medizinischer Termin. Einer, welcher potentiell auch eine schlechte Nachricht bringen kann. Zwar war das Prinzip „guter Hoffnung sein“ inzwischen bestimmend bei uns, aber einfach mal entspannt Hirn/Herz/usw. unseres Kindes betrachten – das war dann doch nicht drin. Also gingen wir mit Anspannung in eine darauf spezialisierte Praxis. Dort wurde uns gleich eines dieser tollen uninformativen Info-Blätter in die Hand gegeben. FALLS was Schlimmes erkannt würde, könne man ja schließlich eine Fruchtwasserpunktion durchführen… Soviel zum Prinzip gute Hoffnung… Da wir ja eh keine invasiven Methoden an meinem Bauch wollten, kam das nicht in Frage. Doofes Infoblatt – das zog die Stimmung irgendwie runter...

Im Schall war dann alles super und ok mit dem Baby. Der Arzt schaltete plötzlich auf 3D um und wir erschraken beide – ich wusste nicht, dass das Gerät das kann. Da war es – unser Baby in 3D! Wow!
Wir wurden dann noch nach Vorerkrankungen in der Familie gefragt. Bei mir gibt es da etwas. Aber das kann man nicht in einem Ultraschall erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir beide unserem Kind diese Erkrankung vererben ist geringer als 1:10.000. Also sind wir das Risiko eingegangen.
Was mich dann wirklich nervte, war die Schwester, die mit in der Untersuchung saß: sie fragte dann – nach erfolgreichem Schall – ob wir denn nun die Fruchtwasser-Punktion wollten!?????????????? What? Im Schall war doch alles gut, das Baby bewegte sich fleißig UND es war unklar, ob meine familiäre Veranlagung ÜBERHAUPT im Fruchtwasser detektierbar wäre!!! Was für eine beknackte Frage! Und wieder voll gegen das Prinzip gute Hoffnung. Dabei hatten wir auf dem Infoblatt schon gegen eine Punktion gestimmt.

Das ist mir sowieso negativ aufgefallen: Schwangere sind Zeitbomben! Jede Sekunde kann da alles fürchterlich schief gehen. Klar – eine Schwangerschaft kann schiefgehen. Eine Straße überqueren aber auch...

Ich habe mich immer wieder „bedroht“ gefühlt. Vom Krankheitssystem, was wir Gesundheitssystem nennen: Zuckertest (obwohl alles ok war und KEINE Hinweise auf Schwangerschaftsdiabetes vorlagen), dauernde Blutabnahmen (den Hb-Wert kann man auch durch Finger-Piksen detektieren, viel mehr wird auch nicht regelmäßig gemacht – andere Werte werden ein- oder zweimalig ermittelt), Blutdruck messen (ok, nicht jede Frau merkt, wann ihr Blutdruck steigt und ein erhöhter Blutdruck kann auf Erkrankungen hinweisen), Pränatal Diagnostik, Vermessen der Schwangeren (Umfang, Gewicht, …), wiederholter Ultraschall, ...

Ich finde nicht, dass Schwangerschaft so behandelt werden sollte. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich mich dem nicht entzogen habe. Das wäre ja durchaus möglich – in gewissem Maß. Also kann ich nur wenig meckern – selbst schuld… Erst gegen Ende der Schwangerschaft habe ich Ultraschalls abgelehnt (muss ja nicht mehr sein – meine Hebamme hörte nach den Herztönen und ich merkte die Bewegungen des Babys) und meiner Schwangerschaft/dem Baby mehr vertraut.
Das Vertrauen in unser Baby reichte leider nicht, als gegen Ende klarer wurde, wie die Geburt laufen könnte:

Ich hatte mich lange mit sanfter Geburt beschäftigt, zum Geburtstag von meiner besten Freundin das Hypnobirthing-Buch bekommen und wollte so wenig wie möglich klinische Interventionen. Also wollte ich nicht in das Krankenhaus unserer Stadt – es ist ein Unikrankenhaus und bekannt für hohe Interventionsraten (Einleitungen, Dammschnitte, Kaiserschnitte, …). Wir sahen uns daher auch noch zwei Krankenhäuser in der Umgebung an.
Dorthin gingen wir auch zum Geburtsplanungsgespräch. Dass Baby saß seit Monaten in Beckenendlage (BEL) und ich erwähnte meine (etwas spezielle) gynäkologische Vorgeschichte und BOOM – da saß ein Elefant im Raum!
BEL und meine Vorgeschichte – das waren zu viele Risiken und die Ärzte schlugen einen Kaiserschnitt vor. Ich hatte am Anfang der Schwangerschaft noch daran gedacht, dass meine Vorgeschichte ein Risiko darstellen könnte und auch an die eigentlichen Gefahren gedacht, die damit verbunden sein könnten. Das war ein Grund, warum ich nicht unbedingt zwingend dringend Kinder wollte… Aber während der Schwangerschaft verdrängte ich dieses Thema vollkommen. Das war auch ganz gut so.
Leider holte es mich bei der Planung einer möglichst natürlichen Geburt wieder ein. Da war das Wort – Kaiserschnitt. Wir hatten die Wahl. Ich machte pro und contra Listen. Ich schlief schlecht. Wir hatten diverse Termine. All das lag in meinem Mutterschutz. Ich hatte KEINEN entspannten Mutterschutz. Andere Frauen berichten von Langeweile – nicht bei mir… Ich hatte mir einiges vorgenommen für den Mutterschutz – ein Computerspiel zu Ende spielen zum Beispiel – nix davon habe ich geschafft (das hatte ich ja schon im letzten Schwangerschaftspost angeschnitten)…

Ich/Wir haben uns letztendlich für einen geplanten Kaiserschnitt 9 Tage vor dem errechneten Termin entschieden. Ich haderte zwar extrem damit, konnte aber aufgrund der Risiken auch nicht entspannt in eine vaginale Geburt gehen. Mit der ersten Wehe wäre auch die Angst gekommen. Mit dieser Angst in ein Krankenhaus in der Nachbarstadt zu fahren – ein Graus. Stärker werdende Wehen mit dieser Angst? CTG mit dieser Angst? Entspannt das Kind tiefer sinken lassen und Atmen mit dieser Angst? Pressen gegen diese Angst? Das wäre mir unmöglich gewesen!
Dahin waren meine Geburtswünsche, mein Duftöl, meine Entspannungsmusik, mein Geburtsbikini, …
Parallel hatte ich auch ein schlechtes Gewissen: wie konnte ich so hadern und grübeln? Ich hatte ein gesundes Baby im Bauch, dessen Erschaffung unkompliziert und unglaublich schnell funktionierte, meine Schwangerschaft war ohne Komplikationen verlaufen, ich hatte mir mein Krankenhaus aussuchen können und eine möglichst sichere Geburt trotz meiner Vorgeschichte geplant. Andere Frauen/Paare machen ganz andere Sachen durch, um ein Kind zu bekommen!
Also versuchte ich mich innerlich auf den Kaiserschnitt einzustellen und auch unser Baby darauf vorzubereiten – so gut das eben geht...

Parallel bauten wir einen Wickelaufsatz für die Waschmaschine, ein Hängeregal für Windeln und Co. Und ein Beistellbettchen, welches wir in unser Bett einhängen würden.

Meine Schwangerschaft hat – neben Sorgen, Arztterminen, Unsicherheiten und vielen Excel-Listen unglaublich viel Freude gebracht. Während der Schwangerschaft spürte ich eine noch stärkere Bindung zum Helden. Ich fand ihn (und mich selbst auch) noch witziger. Ich hatte einen Lachanfall nach dem anderen! Das hatte ich nicht erwartet...

Außerdem wechselt man irgendwie den „Club“. Die Welt ist ein bisschen getrennt zwischen Kinderlosen und Menschen mit Kindern. Wir wechselten gerade rüber. Kinderlos waren wir ja noch, aber erkennbar auf dem Weg zur Elternschaft. Das änderte, die andere Eltern mit uns umgingen, aber auch wie Kinderlose uns gegenüber waren. Witzig.

Ebenso schräg und unerwartet war für mich meine Liebe zum Baby - bereits ohne es zu sehen oder in den Arm nehmen zu können. Diese tatsächlich vorbehaltlose/bedingungslose Liebe hat mich oft zum Weinen gebracht vor Rührung.

Und 2 Wochen vor Geburtstermin kamen sie – die Schwangerschaftsstreifen!!! Mist

Im nächsten posting geht es um die Geburt und die Tage im Krankenhaus.

Montag, 4. Juli 2016

Nach den ersten 3 Monaten: die nächsten 3 Monate Schwangerschaft

Falls sich jemand wundert, warum die Schwangerschaftspost zeitlich so weit auseinander liegen – es wurde unerwartet anstrengend, zeitkonsumierend und es mussten viele Entscheidungen getroffen werden während der Schwangerschaft. Daher kommen die Posts erst jetzt und müssen zum Großteil auch erst entstehen. Der kleine Held ist bereits da und das macht die Zeit auch nicht verfügbarer oder den Tag planbar...

Mehr dazu nach und nach!

So, zu den Monaten 4-6 (Verkündigung, Monate 1-3)
 
Puh, die ersten 3 Monate waren geschafft und damit auch die „gefährlichste“ Zeit überstanden. Es wurde also langsam realer und wir hatten uns bereits überlegt, wie wir es den weiteren wichtigen Menschen mitteilen würden.

Meine Eltern erfuhren es per Überraschungskuchen. Wir hatten ein Ultraschallbild grob auf Papier übertragen und dann die Baby-Umrisse ausgeschnitten. Mit der Schablone haben wir ein Puderzucker-Baby auf einen Donauwellen-Kuchen übertragen. Dieses Baby wurde dann feierlich enthüllt. Oh – das gab Freudentränen und Ungläubigkeit (dass DAS noch passiert, damit hatten sie nicht gerechnet). Die Eltern des Helden sind leider weiter weg und mussten postalisch informiert werden. Die Freude war ebenfalls groß.

Verkündigungsdonauwelle

Dann kamen Freunde, Bekannte und Kollegen dran. Es war ein wundervolles Gefühl, wie sehr sich alle gefreut haben. Nicht, dass ich dachte, man würde uns mit „seid Ihr wahnsinnig“ begegnen, aber trotzdem war es schön, so viel Freude zu spüren.

Wir hatten im Rahmen des Verkündens auch gleich einen Kauf-Stopp verhängt. Das ist natürlich vor allem für werdende Großeltern gemein. Aber der Held und ich waren uns einig: für jedes neue Kind alles neu kaufen ist ein Irrsinn! Ökologisch und auch ökonomisch. Wir sind zwar keine richtigen Ökos, aber „schlimm öko“ genug sindwer…

Wir trieben uns also nach und nach auf Baby-Flohmärkten und in –Gebrauchtwarenläden herum und sammelten nach und nach die Dinge ein, von denen wir glaubten, wir brauchen sie. Wir bekamen gebrauchte Kleidung geschenkt und irgendwann dann doch auch ein paar neue Dinge. Wir hatten nun eine Mischung aus gebraucht, neu und selbst gebaut. Wir hatten keine Ahnung, ob wir alles haben, was wir brauchen würden – das würden wir dann sehen, wenn das kleine Wunder angekommen ist…

Zum Thema Kollegen/Arbeit informieren muss ich unbedingt noch etwas loswerden: hierzu kursieren massive Fehlinformationen online! Das Gesetz sieht vor, dass eine Frau (und wir reden hier ja meist über die Frau, die entscheiden muss, WANN sie es dem Arbeitgeber mitteilt – beim Mann wird da ja weniger Gewese drum gemacht) – also eine Frau bei Bekanntwerden der Schwangerschaft ihren Arbeitgeber informieren SOLLTE. Achtung: sollte bedeutet nicht MUSS! Hier ist Gesetzes-Deutsch sehr speziell. Dieses SOLLTE steht dort, weil erst mit Kenntnis des Arbeitgebers besonderer Schutz für die Schwangere verwirklicht werden kann. Nicht, damit sich der Arbeitgeber lang genug darauf vorbereiten kann… Also lasst Euch da nicht unter Druck setzen! Es gibt aktuell keine gesetzliche Frist, wann man den Arbeitgeber unterrichten muss! Entscheidet selbst!
 
Was ich persönlich befürchtet hatte und was auch passierte: der „Mutti“-Titel wurde vergeben. Scherzhafte Kollegen mögen das niedlich finden, doch es ist und bleibt eine Reduktion auf eine einzige Rolle. Ich war und bin nicht ausschließlich Mutter ab positivem Schwangerschaftstest! Vor allem nicht auf Arbeit! Das musste massiv richtiggestellt und den betreffenden Personen leider auch erklärt werden. Nicht jedem ist bewusst, wie sinnfrei und diskriminierend ein solcher „Mutti“-Titel ist… Tztztz

Der Held und ich hatten uns Gedanken gemacht, wie wir die Elternzeit aufteilen wollen. Um das alles auch amtlich abzusichern, waren wir bei der Elterngeldstelle. Ein Desaster! Die Neuerungen Mitte 2015 verunsicherten die Angestellten dort, das Computerprogramm zur Berechnung passte noch nicht, alles ein Chaos! Also mussten wir uns das selbst zurechtlegen und die einzige Hilfe war der online-Rechner der Regierung… Danke liebe Gesetzgeber – die Umsetzung bis dato (ende 2015) hat mal Null funktioniert. Hoffentlich passt es so, wie wir uns das gedacht haben. Denn diese Planung teilt man ja auch dem Arbeitgeber mit. Und man kalkuliert ja auch das Elterngeld ein… Im Worst Case bekommen wir deutlich weniger als wir denken. Das sehen wir aber erst nach Beantragung…

Eine Auswirkung der Schwangerschaft, die ich so nicht bedacht hatte, war die Betäubung beim Zahnarzt. Denn normale Betäubungen enthalten Adrenalin – das kann Wehen auslösen. Also sollen solche Mittel nicht bei Schwangeren eingesetzt werden. Bei meinem Zahnarztbesuch im 2. Trimester hatte ich also ein Schwangeren-taugliches Mittel. Das wirkte NULL!!!! Also blieb es auch bei diesem einen Besuch beim Zahnarzt. Ich gehe erst nach der Geburt wieder. Dieser Schmerzstress kann nicht gut sein – weder für mich noch für das Kind.

So langsam musste ich auch – nach normalen Hosen – von normalen Strumpfhosen und Leggins Abschied nehmen. Es ging einfach nicht mehr. Also: Schwangerschafts-Leggins und ein paar Kleider, die sich noch dehnen würden… Das lief ganz gut. Leider wurde es dann auch kalt und kälter und eine Schwangerschaftsjeans musste her. Ich bin ganz glücklich, vom heutigen Standpunkt aus sagen zu können: ich brauchte 5 Leggins, 1 Jeans und genau 1 Schwangerschaftskleid. Alle weiteren Kleider passten lang genug und spezielle Oberteile brauchte ich gar keine. Mal sehen, wie viel Stillklamotten ich brauchen werde…

Um Weihnachten herum konnte ich dann auch das Baby das erste Mal spüren. Online wird oft der romantische Vergleich mit Schmetterlingen im Bauch gewählt. Eine der vielen überkitschten Aussagen um Schwangerschaft und Elternschaft! Für die meisten Frauen fühlt es sich komisch oder vielleicht wie Blähungen an – aber das klingt eben nicht so hübsch. Sch*** auf hübsch. Ehrlich wäre netter für alle werdenden Erst-Mamas/-Eltern! Also: wenn es sich wie Blähungen anfühlt: könnte auch das Baby sein!

Was mich kalt erwischt hat, war die immer wiederkehrende Frage nach dem Geschlecht des Babys. DAS NERVTE! Oh man – ich kann gar nicht zählen, wie oft versucht wurde, das herauszubekommen! Lasst Euch warnen: wenn die Leute fragen, ob wenigstens IHR wisst, was es wird – das ist sehr wahrscheinlich keine unschuldige Frage! Bei Jungs sind die Frauenärzte sich deutlich sicherer in der Prognose. Das bedeutet, dass Eure Antwort „ja, wir wissen, was es wird“ für den Fragenden ein erschummelter Hinweis auf ein männliches Baby sein kann. So ein Irrsinn! Es ist doch egal, was es wird…

Also haben wir dann einfach gar nichts mehr zu diesem Thema gesagt.

Meine Schwangerschaftsbeschwerden:
Es wurde deutlich besser nachts – weniger Aufwachen, weniger Hungerattacken. Das zweite Trimester war wirklich eine ruhigere Zeit. Probleme mit Gerüchen blieben allerdings – wenn auch geringer.

Was mir auch aufgefallen ist – und nur wenige schreiben darüber (vielleicht habe das auch nur ich): mein eigener Körpergeruch veränderte sich während der Schwangerschaft. Man weiß ja, dass sich einige Körperteile verändern (Brüste…) und auch verfärben (Linea negra, Brustwarzen, …). Aber dann man auch selbst anders riecht… Das war mir neu! Es ist wohl nicht so ungewöhnlich und könnte an den hormonellen Umstellungen liegen. Nunja, in den Monaten der Schwangerschaft hört man ja eigentlich dauernd: „das ist normal und liegt an den Hormonen“…

Wirklich doof fand und finde ich das Brustwachstum. Frauen, die immer mehr Oberweite haben wollten, finden das vielleicht toll, aber an alle Frauen, die schon vorher „mehr“ hatten: es kann sowas von nerven! Die Dinger werden so viel größer! Und bei bereits großen Brüsten leidet auch die Form eher unter dem Wachstum… Ich mache mir da schon Sorgen, wie die Zwei wohl aussehen, wenn die Stillzeit dann vorbei ist. Abgesehen davon schränkt ein solches Wachstum die BH-Wahl massiv ein und schön sehen solche großen Brüste auch nicht mehr aus… Normalerweise kaufe ich BHs, die sehr eng an der Unterbrust sitzen (da soll der BH ja halten und nicht an den Trägern). Das geht in der Schwangerschaft auch nicht mehr so gut, weil ja der Bauch „hochkommt“ und die Organe sich dort anfinden. Also drückt es und stört. Also weniger eng… Damit haben BHs aber weniger Halt. Ein Optik-Passform-Teufelskreis….

Wir mussten in diesem Zeitraum auch viele organisatorische Dinge regeln: Hebamme finden, Kindergartenplatz sichern, Krankenhaus raussuchen. Ich werde auf diese Dinge nicht im Detail eingehen – das sprengt sowas von den Rahmen… Aber soviel: es war eine Menge Arbeit, viele Termine und sowohl der Held als auch ich opferten viel Zeit. Ein kleiner Ausblick auf die Elternschaft mal wieder…

Wir haben eine traumhafte Hebamme gefunden – sie passt zu uns und wir mögen sie beide. Könnte ja sein, dass ich im Wochenbett sehr viel Babyblues habe und der Held sich Sorgen macht. Dann sollte die Hebamme auch ein guter vertrauensvoller Ansprechpartner für ihn sein. Da machte ich mir keine Sorgen! Auf das Wochenbett mit unserer Hebamme freute ich mich schon!

Ich musste im 2. Trimester noch einen Urlaub, Weihnachten und Silvester ohne Alkohol überstehen (nicht so einfach muss ich zugeben – kein leckerer Rotwein, kein Glühwein, kein Silvestercocktail, …) und damit leben, dass die Waage immer mehr anzeigt, aber das war nicht wirklich schlimm.

Und dann fing das Leben-Ausmisten an – Platz fürs Baby machen… Das sollte uns noch eine Weile begleiten…

Doch dazu im nächsten Beitrag.

Samstag, 13. Februar 2016

Das Papabuch – ein Review



Es gibt unzählige Sach-, Fach-, Flach-, Kuschel-, Kitsch-, …-Bücher zum Thema Eltern werden bzw. schwanger sein. Aber für Papas?
Als die Schwangerschaft weiter voranschritt, merkte ich, dass ich mich selbst zwar mit online-Informationen recht gut versorgen konnte, mein Held aber irgendwie nicht so recht wusste, wie er das Thema angehen soll. Also haben wir überlegt, ein Papa-Buch anzuschaffen. Der Held entschied sich für „Papa to go“ von Christian Busemann.
Ihn sprach die gute Platzierung in der Buchhandlung an. Die Nachfolgebücher sehen diesem sehr ähnlich und zusammen ergibt das ein harmonisches Bild. Eyecatcher eben. Dazu kommt, dass es für werdende Väter nicht so viele Bücher gibt. Er las den Klappentext und kurz ins Buch hinein – es war locker und entspannt geschrieben und klang wie ein „schnell mal lesen“-Hilfebuch. Als Einstieg ideal geeignet. Also kam es mit nach Hause.



Positiv:
Christian Busemann mahnt, dass der Partner immer informiert und dabei sein sollte (natürlich wird hier nur für Männer geschrieben – lesbische Paare würden verm. PAPA to go auch nicht kaufen, oder doch?). Da für seine Partnerin. Ihr gut zureden, sie seiner Liebe versichern, …
Er informiert in Kürze über Schwangerschaftsbeschwerden, Inhalte des Mutterpasses, pränatale Untersuchungsoptionen …
Die Beschreibung wie der Partner sich unter der Geburt verhalten sollte, kann ich grundsätzlich teilen (Schmerzbeurteilung kann nur die Frau, massieren, streicheln, zärtlich sein, ablenken, über den Trennungsschmerz der Geburt reden weil die Symbiose aus Mutter und Ungeborenem endet,  zu Bewegung anregen, beim Pressen die Klappe halten und einfach nur da sein, …)
Er regt den Vater an, die Erlebnisse der Geburt in der ersten Nacht aufzuschreiben – das zu lesen kann auch wundervoll für die Mama sei.

Was aber früh auffällt: Christian Busemann versucht, dem Leser (und vermutlich auch sich selbst damals als seine Frau schwanger war) die Angst zu nehmen. Allerdings eher im Sinne von „Du musst souverän wirken“, „Du weißt bescheid“, „Du kannst vor XY punkten“, …). Locker bleiben ist seine Devise. Die Ehrfurcht und das Wunder anzunehmen? Kommt hier kaum vor. Überwältigt sein ist ok? Nicht für Christian Busemann – maximal nachdem der Zwerg auf der Welt ist. Ich finde das sehr funktional gedacht und befremdlich. Es stellt zwar sachlichen Kontakt zur Schwangerschaft her, doch emotional? Eher nicht. Schade.

Hinzu kommen unkorrekte Verallgemeinerungen wie:
„Rohes Fleisch und rohen Fisch, wie in Sushi, meiden, da die Toxoplasmose-Gefahr sehr groß ist.“
> Die Wahrscheinlichkeit einer Toxoplasmose-INFEKTION ist das ganze Leben gleich hoch – die wird nicht in der Schwangerschaft wundersamer weise besonders groß. Eine Infektion selbst ist nur gefährlicher, da sie das Baby gefährden kann.
„Wenn ihr Ratschläge benötigt, solltet Ihr sie euch bei dem Arzt holen, der ja eh schon das Vertrauen der werdenden Mutter genießt“
> Hebamme? Freunde? Sind ihm zu viele Köche. Vertrauen in Ärzte ist ja ok, aber welcher Frauenarzt kann einen denn vollumfänglich zum Thema Schwangerschaft beraten???

Listungen von „unbedingt“ benötigten Dingen, von denen ein Großteil nicht gebraucht wird – hier ein Auszug:
> Kinderzimmer, Windeleimer (packt JEDE Wegwerfwindel zusätzlich noch in Plastik – Umweltoverkill), Wärmelampe (braucht man nur für Winterbabys wirklich), Himmel/Himmelstange, DREI Kapuzenhandtücher, Wegwerf-Wickelunterlage, Babymassageöl, Babywaage, Milchpumpe, Sonnen-Family-Zelt, Reisebett,  … - alles als Starterset-Bestandteile gelistet. Bitte hört da auf Euer Gefühl und kauft nur wirklich notwendige Dinge.

„“[…] etwaige Schäden beziehungsweise Verletzungen durch die Geburt behoben. Hier ist der Dammriss sehr gängig. Das heißt das Stück zwischen Po und Vagina, der Damm,  reißt manchmal bei der Entbindung durch den Umfang beziehungsweise die Größe des Babys. Aus diesem Grund wird er meist vom Arzt während der Geburt eingeschnitten, damit es besser flutscht.“
> Ein Dammschnitt wird nicht für das besser Flutschen gemacht, sondern damit Frau nicht einreißt und sollte nur angewendet werden, wenn das Baby sich schwer tut und alles ein bisschen eng ist. Das Verhindern des Reißens funktioniert aber nicht immer – viele Frauen wurden geschnitten UND reißen. Ein guter Dammschutz (Dammmassage während der letzten Schwangerschaftswochen, Wärme,… helfen dem Damm vermutlich mehr). Leider verliert er dazu kein Wort.

Nach und nach wurde das Lesen weniger freudvoll. Zitate gefällig?
„Wer mag schon einen riesigen Berg Spaghetti essen, wenn direkt neben ihm am Tisch „jemand“ mit einem Würgereiz zu kämpfen hat? Und wer fummelt schon gerne herzhaft im Ausschnitt rum, wenn die scharfe Schleuder dabei plötzlich einnickt? Zieht echt runter“

„Schlechte Nachrichten aus dem Dekolleté, gute Nachrichten aus dem Dekolleté. Die Push-ups haben Feierabend! Das Glockenspiel wird satter, nicht nur im Sound: die Brüste wachsen!“

Beim Abschnitt „Zweites Trimester – Sex in der Schwangerschaft: Wie schlafe ich mit einem „Wasserbüffel““ verging es dem Helden komplett (Seite 81 von 285). Mich schockierte die Sprache einfach nur. Unreif, herablassend, frauenfeindlich, von sexueller Souveränität keine Spur:

„Zum Ende der Schwangerschaft hingegen, wenn der sündige Designerstring einem XXL-Baumwollschlüpfer-Mutterschiff gewichen ist, sich das Kinn auf einem zweiten ausruht und der ehemals sportliche Gazellenrahmen in Richtung Wasserbüffel mutiert, hält sich die Lust deiner Frau […] in Grenzen und neigt von selten bis null.“

„Müde bis tote Hose also auch bei Dir, es sei denn, deine Überredungskünste und verbale Umschmeichelungen bewirken Wunder, und du bekommst die Matrone noch mal auf die Turnmatte“

„vielleicht kannst du dem mürrisch stöhnenden, ungelenken Schwangerschaftspummelchen noch einen brüderlichen Blowjob aus dem Kreuz leiern […]“

„[…] deshalb will ich dir nun verraten, welche Positionen Du ausprobieren kannst, ohne dass du befürchten musst, von einem menschlichen Fleisch-Panzer überrollt zu werden.“

„“natürlich kommst du dir im ersten Moment wie […] Asterix vor, der versucht, den dicken, trägen Obelix zu penetrieren, […]“

So geht es weiter. Warum muss das sein? Weder der Detailgrad seiner eigenen sexuellen Unsicherheit, noch diese Sprache helfen irgendwem weiter! Sex in der Schwangerschaft ist speziell, macht vielleicht beiden Beteiligten Angst und es gibt nur Eines: zusammen probieren und sich auf einander einlassen – so wie sonst beim Sex auch! Dieses Kapitel ist nutzlos, beleidigend, primitiv und ekelhaft.
Christian Busemann äußert sich an einigen Stellen des Buches sehr liebevoll und wertschätzend über seine Frau. Doch wenn solche Formulierungen fallen, fällt es mir schwer, das einzuordnen. Entweder er schätzt seine Frau und diese Formulierungen sind flapsig überzogen und passen eigentlich gar nicht zu ihm. ODER er ist viel mehr darauf bedacht, wie seine Frau aussieht/funktioniert als ihm klar ist und er selber denkt, er würde sie schätzen, so wie sie ist (auch in schwanger und dicker). Ich vermute, wir haben es bei diesem Autor mit einem neoliberalen Lifestyle-Mann zu tun, der Schein über Sein stellt und es selbst nicht bemerkt. Aber vielleicht liege ich da auch falsch…
Schade, dass wasAuchImmerDieUrsacheIst zu solchen Formulierungen führt, die dann angehende Väter/Partner(innen) über ihre schwangeren Frauen/Freundinnen lesen und vielleicht auch noch innerlich übernehmen.
An die werdenden Väter/Partner(innen): bleibt bei Euch mit Eurem Gefühl. Bei Euch und Eurer schwangeren Frau/Freundin. Seid Euch selbst und einander nah. Lasst zu, dass Euch diese Erfahrung auch mal umhaut. Seid authentisch miteinander. Redet miteinander.

Fazit
Der Held kann dieses Buch niemandem empfehlen. Vielleicht neoliberalen, geschlechtsverwirrten Männern, die besonders locker mit der Welt umgehen und ihre Souveränität über alles schätzen (was ist denn heute noch ein echter Mann, was soll ich tun, wer soll ich sein, wie komme ich möglichst optimal rüber) – denen könnte es in Summe etwas nutzen.
Meine Erfahrung mit dem Buch – denn ich habe es auch gelesen: Die Abschnitte, die sprachlich so unter die Gürtellinie gehen, würden jedes Buch versauen. Die emotionale Seite des werdenden Vaters/Partners wird kaum angesprochen. Was dann also übrigbleibt, ist eine Informationssammlung, die man online oder in sachlicheren Büchern ebenso findet. Ohne diese abstoßenden Abschnitte/Kapitel…
Einfach lassen! Leider habe ich keine Alternative für Euch. Wir haben nach diesem Reinfall nämlich auf weitere Papa-Bücher verzichtet.

Samstag, 6. Februar 2016

Nach Verkündigung: die ersten 3 Monate



Puh – hier nun Teil 2 zum Thema „wir vermehren uns – uaaaaa“

Die ersten drei Monate waren bestimmt von Schock (schwups, schwanger – jetzt in echt), Unglaube (nee, echt?), (fast totaler) Geheimhaltung, Ratlosigkeit (was müssen wir denn nun tun?), ersten Arztbesuchen, Informationssuche und Nebenwirkungen.

Die erste weit verbreitete Missinformation nervte mich schon recht früh: die 9 Monate der Schwangerschaft… ES SIND 10 MONATE! Wieso wird denn überall von 9 gesprochen? Vielleicht weil man es den  ersten Monat oft noch nicht ahnt? Egal – es bleiben trotzdem 10.

Befremdlich fand ich viele Internet-Paare, die anscheinend aus zwei schwangeren Wesen bestehen. Eines davon ein Mann!?! Keine Ahnung wie das geht, aber viele Paare verkünden: „wir sind schwanger“. So ein Blödsinn!

Was ich auch befremdlich finde, ist die Abkürzungskultur in Eltern-Foren: SS für Schwangerschaft. Hhhhmm – ist das noch keinem aufgefallen? Das ist doch beknackt! Ok, aber das nur am Rand.

Meine Symptome
Ich hatte recht früh schon – vor dem ersten Arztbesuch – Schwangerschaftssymptome.

Ich war müder – das schlich sich so langsam ein.

Zusätzlich hatte ich zu den unmöglichsten Zeiten eine Art Spontanunterzucker (2 Uhr nachts, 5 Uhr nachts, 6 Uhr morgens, …) und schlafen konnte ich irgendwie seit Anfang der Schwangerschaft nicht so richtig gut. Also noch müder als durch die Schwangerschaftsmüdigkeit allein. Und erst die Reduktion der täglichen Kaffeemenge!

Übelkeit – nicht diese schlimme von der man immer hört. Aber ein bisschen übel war mir manchmal.
Verkorkster Appetit. DAS war schlimm! Hunger und kein Appetit! Ich hatte nur Appetit auf Pudding und Pommes – viel mehr konnte ich nicht ertragen. Na toll – soviel zu gesunder Ernährung in der Schwangerschaft…

Nahrungsgerüche – ging auch alles gar nicht. Der arme Held musste immer allein essen und auch schnell alles wieder wegräumen, weil ja sonst die Küche so „stank“.

Mein Bauch zog immer mal wieder – das Internet verriet mir, dass das normal ist (ich sag nur Mutterbänder).

Meine Haut drehte durch – trocken, schuppig, Haarausfall, Herpes, …

Dauernde Schnief-Nase.

Das Thema Appetit wurde später noch schlimmer. Gelüste hatte ich keine, aber meine vegane Ernährung konnte ich vergessen, als die Phase „Käsewiener“ anfing. Träume von Teewurst, Bock auf Mettbrötchen und Phantasierereien von rohem Fisch. Ich hielt es nicht mehr aus. Appetit auf nichts Vernünftiges und diese Lust auf Tier… Ich gab nach. Mit Reue, aber ja – ich gab nach und die 2-wöchige Phase der Käsewiener begann. Nix mehr mit Veganerin.

Da mein Frauenarzt Urlaub hatte, dauerte es, bis ich eine erste Untersuchung/Feststellung der Schwangerschaft hatte. Also offizielle Feststellung. Dem Helden und mir war gleich klar, dass ich schwanger bin (dem Helden noch vor mir). Ich theoretisierte noch „kann ja auch eine Eileiter-Schwangerschaft sein, oder ein Windei, oder oder oder“ und wollte mich diesem schwanger-sein noch nicht überlassen. Dann beim Arzt in Schwangerschaftswoche 9 war es offiziell – schwanger.

Ich fand es befremdlich, dieses durchgekaute Gummibärchen auf dem Ultraschall-Monitor zu sehen. Eine kleine Träne kullerte, als der Arzt meinte: 2cm lang und hier kann man das Herz puckern sehen.

    Noch befremdlicher fand ich dann die Informationsblätter zur Pränataldiagnostik, die in der Schwangerschaftswoche 11-13 durchführbar ist, welche ich bis zum nächsten Termin lesen sollte. Versorgt mit lauter sonderbaren Informationen, die NICHTS aussagen. Sie informieren, wann man welchen Test machen kann, und behaupten auch sie beschrieben, wie der Test gemacht wird. Aber das tun sie nicht! Sie sagen nur, wie das Material für den Test gewonnen wird (Blutabnahme, Fruchtwasserpunktion, Nabelschnurpunktion, …). Wie der Test dann wirklich im Labor gemacht wird, sagt keiner. Ich bin glücklicherweise in der Lage, Labortest zu verstehen und deren Grenzen zu ermessen. Meine Studienfachwahl war wohl nicht ganz sinnlos… ABER: herauszufinden, welcher Test wirklich WAS kann, ist harte Recherche-Arbeit!
      Man könnte für all diese Tests klar darstellen,
  1. was sie messen
  2. was sie nachweisen können und was nicht
  3. was die angegebenen Wahrscheinlichkeiten bedeuten (falsch positiv, falsch negativ)
  4. welche Konsequenzen was hat
  5. welche Alternative es gibt
Aber das wird nicht klar dargestellt. Das hat mich geärgert. Das hat mir Arbeit bereitet. Das ist doch Mist!

Ich habe mir viele Gedanken gemacht, Sorgen gemacht. Komisch. Vor diesen Infoblättern hatte ich keine Sorgen… Der Held konnte mit all dem Wahrscheinlichkeitskram und den biochemischen Assays nichts anfangen und war noch hilfloser als ich.

Also sind wir zu einer Beratung in ein Familienzentrum. Hilft ja nix. Ich wollte da auch nicht von meinem Frauenarzt beraten werden – das stellte sich im Nachhinein als richtige Bauchentscheidung heraus.

Unser Termin war bei einer ehemaligen Hebamme und besonders EIN Satz blieb beim Held und mir wie eingebrannt zurück: „man sollte doch guter Hoffnung sein“. Ganz genau. Mir wurde spontan klar, wie sehr mich diese Planungen/Gedanken und wissenschaftlichen Recherchen von unserem Kind weggebracht hatten. Wie groß meine Distanz in dieser kurzen Zeit geworden war. Wie sehr die Sorgen statt der Vorfreude (und uaaaa-ich-bin-echt-schwanger-Panik) im Vordergrund standen. Hui. Also wieder zurück zum Kind. Um das ging es schließlich auch. Unser Kind und unsere Bereitschaft es anzunehmen. Wir hatten relativ schnell für uns klar: invasive Methoden (z.B. Fruchtwasseruntersuchung) wollten wir nicht. Nicht-invasive Methoden liefern noch vagere Schätzwerte und können nur sehr wenige Krankheiten nachweisen. Maßgeblich Trisomie 13, 18 und 21. Also überlegten wir (und jeder kann das nur für sich selbst entscheiden):

Trisomie 21 wäre für uns kein Grund, das Kind abzutreiben.

Trisomie 13 und 18 bedeuten oft kaum Überlebenschancen für das Kind. Diese Erkrankungen sind allerdings meist auch in einem späteren Ultraschall erkennbar (sog. Feindiagnostik in der 20. Schwangerschaftswoche – auch eine Pränataldiagnostik). Bleibt also die Entscheidung: jetzt auf 13/18 prüfen lassen oder auf den Ultraschall warten?

Was bedeutet jetzt testen?

Sollte laut Test Verdacht auf Trisomie 13 oder 18 bestehen, so wäre es nur eine Schätzung – es kann auch ein falsches Ergebnis sein. Festigen/wiederlegen könnte man diesen Verdacht dann nur mit invasiven Methoden und das wollten wir ja nicht. Alternativ bliebe also nur abwarten was der Ultraschall sagt (also wochenlang Sorgen und Angst) oder unser Kind auf Basis von Wahrscheinlichkeiten abtreiben. Hhmmm – klag für uns irgendwie alles doof.

Sollte der Test negativ ausfallen, könnten beim Ultraschall dann trotzdem Hinweise auf Trisomie 13 oder 18 erkennbar sein, denn der Test liefert ja nur eine Wahrscheinlichkeit! Also irgendwie auch sinnlos.

Solltet Ihr Euch mit diesen Themen/Entscheidungen rumquälen und Euch allein fühlen – schreibt mir gern. Ich kann zwar keine fachliche Hilfe geben, aber vielleicht helfen Euch meine Gedanken um die Euren zu sortieren und zu Eurem sorgenfreien „wir kriegen ein Kind“ zurückzufinden.

Denn allein ist man damit als Paar (oder vielleicht als werdende Mama oder Papa) – vor der 13 Schwangerschaftswoche sollte man von dem kommenden Kind ja lieber noch keinem im direkten Umfeld berichten. Also hat man im Extremfall wirklich nur einander, um dieses Thema zu diskutieren und Entscheidungen zu finden. Nicht leicht. Aber auch nicht unmöglich. Und Familien-Hilfen/Hebammen können Euch da ebenfalls massiv unterstützen. Einzig die Entscheidung selbst kann Euch keiner abnehmen.

Unsere Entscheidung: wir ließen  so früh nichts testen und würden dafür den Ultraschall in Schwangerschaftswoche 20 in Anspruch nehmen. Sollten dann schwere Fehlbildungen zu sehen sein, würden wir weitersehen. Aber erstmal: guter Hoffnung sein! Und so langsam wuchs dann auch der Bauch zu einer sichtbareren kleinen Murmel.

Ich war erleichtert. Was mich zusätzlich umgehauen hat (und das sollte noch öfter so kommen) war mein Held. Also genauer gesagt mein Held und ich. Wir waren uns recht schnell einig. Was wir warum wollen und was nicht. Wow. Eine unserer ersten Entscheidungen als Eltern. Nicht werdende, sondern schon seiende. Welche Untersuchung lassen wir machen? Das wird ja immer so weitergehen. Welche Impfung? Homöopathische Medikamente? … Tausende Entscheidungen. So fühlt sich das also an, wenn man für jemand anderen verantwortlich ist. Puh… 
Erster Brachialvorgeschmack aufs Familie sein.